Zeit - wer hat die Hosen an?

Du oder die Zeit - wer hat hier die Hosen an?
Jeden Tag das Gleiche: Aufstehen, zur Arbeit gehen, zwischendurch mal schnell was essen. Von einem Termin zum Nächsten hetzen und abends völlig platt ins Bett fallen. Morgen, ja morgen, da werde ich es anders machen.
Morgen werde ich früh aufstehen, Yoga machen und in Ruhe frühstücken bevor ich zur Arbeit gehe. Ich werde mein Mittagessen genießen und pünktlich Feierabend machen. Ich werde meine Freunde treffen, ins Kino gehen und endlich meine Tante anrufen, mit der ich schon so lange nicht gesprochen habe.
Denkste! Ich glaube wir kennen es alle, den Unterschied zwischen Alltag, Realität und dem Wunsch schnell mal alles zu verändern. Was uns im Leben immer wieder einholt ist die Zeit. Sie rennt und viele von uns hinterher.
 
"Hätte ich nur ein bisschen mehr Zeit", ein Satz, den ich immer und immer wieder höre und selbst auch sage, fast schon lebe. Ein regelrechtes Wettrennen in meinem Kopf, zwischen Aufgaben, Träumen und Zeit.
 
Jedem von uns stehen nur 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Abhängig davon was wir gerade tun, können wir diesen Zeitraum ganz unterschiedlich erleben. Im Urlaub vergeht eine Woche wie um Flug. Dinge die uns glücklich machen, die uns Erfüllen, lassen uns die Zeit vollkommen vergessen. Umgekehrt dehnt sich die Zeit ins Unermessliche, wenn wir im Wartezimmer des Zahnarztes sitzen und vor der Steuererklärung sitzen.
 
Zeit ist - neben unserer Gesundheit - das wichtigste Gut, was wir haben. Sie ist unser Schatz, unser Kapital und viel mehr Wert als Geld. Das wissen wir. Jeder von uns. Genau deswegen beklagen wir uns immer wieder über die Kürze des Lebens und versuchen Zeit zu sparen, wo wir nur können.
 
Gleichzeitig tun wir jedoch so als wäre sie unendlich. Als wären wir unsterblich. "Morgen mach ich alles anders", sagen wir uns, während wir im Bett liegen und noch schnell die Mails checken, anstatt die Zeit für etwas zu nutzen, was uns erfüllt. "Morgen, ja morgen", sagen wir uns und stellen fest das bereits einige Jahre vergangen sind.
 
Jahre in denen wir hätten die Welt sehen können, etwas Neues lernen können, was wir schon immer können wollten, Freunde sehen, ein Haustier kaufen. Alles was wir uns immer verwehrt haben, weil wir einfach keine Zeit hatten.
 
Wir hatten nie genug Zeit und heute ist alles anders. Heute merkt man erst, wer von uns hier wirklich die Hosen an hatte.
 
24 Stunden, zu Hause, Tag für Tag. Ob wir wollen oder nicht. Die Erde zwingt uns quasi zur Entschleunigung. Kein Wettlauf mehr gegen die Zeit.
Zeit ist zu einem Faktor geworden, dem wir nicht mehr hilflos ausgeliefert sind. Wir sind zwar eingeschränkt, können sie dennoch nutzen. Wir können einen Gang zurückschalten, runterkommen und uns mit uns selbst beschäftigen. Uns fragen, was uns glücklich macht, was wir vom Leben erwarten oder darüber nachdenke, ob wir der Mensch sind, der wir sein wollen. Wir können Pläne schmieden, Neue Dinge lernen und uns die Zukunft erträumen, aus einem fast unbekanntem Blickwickel. Wir können uns auf Dinge konzentrieren und sie viel intensiver wahrnehmen, weil aus dem täglichen Multitasking plötzlich Monatasking wurde. Wir können den Moment erleben, ihn Genießen und so langsam kommt etwas zurück: das Gefühl der Dankbarkeit. Plötzlich sind wir wieder Dankbar für die Freiheit, das Haus verlassen zu können, wir sind Dankbar für das Bildungssytem, wir können es kaum Abwarten unsere Freunde zu sehen. Wir schieben Dinge nicht mehr auf, weil wir nicht wissen, was morgen sein wird.
 
Vielleicht ist es auch die Tatsache, dass wir verlernt haben, so viel Zeit selbstständig verplanen zu können. So viel Zeit für SICH verplanen zu können.
Ob ein streng getakter Arbeitstag, der mit dem privaten Terminkalender nur noch paar Minuten zur Verfügung stellt oder der Schultag der Kinder, der uns vorgeben hat, wann wir unsere Zeit mit anderen Terminen verplanen können. Beides kommt aufs Selbe hinaus.
 
Lasst uns die Gewohnheiten aufbrechen. Lasst uns nicht überlegen, ob wir die Nähmaschine anschmeißen sollen, sondern es einfach tun. Lasst uns für einen Moment, zusammen mit unseren Kleinsten, selbst entscheiden ob wir morgens wirklich direkt mit dem Lernen starten wollen oder erst gemeinsam ein wenig Kuschelzeit genießen und dann die Schulbücher wälzen.
 
Ja diese Zeit ist antrengend, sehr anstrengend Sie macht mir Angst und macht mich auch Traurig, was da draußen in der Welt passiert. Wenn ich könnte, würde ich das Ändern. Leider ist das nicht möglich. Was ich aber kann, ist mein Denken zu verändern. Versuchen in all der Ungewissheit einen klitzekleinen Funken Positivität zu finden. Und genau dieser Text, beschreibt das klitzekleine Bisschen, was ich für mich gefunden habe. Das klitzekleine Bisschen, was die Situation für mich ertrählicher macht.
 
Bei mir hatte die Zeit für lange Zeit die Hosen an, ich werde die Zeit jetzt nutzen, um das zu ändern.
 
Ich hoffe ihr seid alle gesund und euch und euren Liebsten geht es gut. Hier sind alle wohlauf. Mister SewedSins muss in Kurzarbeit und ich arbeite von zu Hause auf. Ich bin unheimlich dankbar und froh drüber für ein Unternehmen zu arbeiten, welches in einer so schweren Zeit, so sehr für deine Mitarbeitenden einsteht. Da hat es mich wirklich gut getroffen.
Die Abende habe ich genutzt um eine Neue Tasche zu Nähen. Genau genommen, auch einen neuen Schnitt zu gestalten. Ein Shopper, der mit einem Handgriff zum Rücksack wird, ganz ohne lästiges Umstecken von irgendwelchen Schnallen.
 
Möchtet ihr den Schnitt haben? Soll ich ihn Digitalisieren?
Fühlt euch alle gedrückt! <3